Der Fall Tamerlan DulatovWie verrückte Klauseln in MMA-Verträgen alles auf den Kopf stellen
.webp)
Mit Tamerlan Dulatov droht der MMA-Veranstalter Oktagon eines der größten Talente zu verlieren. Der 25-Jährige lässt seinen Vertrag auslaufen, die Konkurrenz wird hellhörig. Eine Klausel sichert letztlich den Verbleib beim Branchenprimus in Deutschland.
Das Arbeitsverhältnis zwischen einer Mixed-Martial-Arts-Organisation und den dort antretenden Kämpfern ist kompliziert. MMA-Profis sind keine Angestellten, sondern unabhängige Vertragspartner. Entsprechend komplex sind teilweise auch die Verträge, inklusive vieler verrückter Klauseln.
Ein aktuelles Beispiel zeigt, wie viel Einfluss solche Klauseln auf die Zukunft eines Kämpfers haben. Der Düsseldorfer Tamerlan Dulatov ist eines der größten Talente Deutschlands. Der 25-Jährige hatte im letzten Jahr zwei Kämpfe für Oktagon MMA absolviert, Anfang Januar lief sein Vertrag aus. Weil er sich zunächst nicht mit Oktagon auf einen neuen Vertrag einigen konnte, unterschrieb er bei der Konkurrenzorganisation FNC, um Anfang Februar in München in den Käfig zu steigen. Dulatov hatte allerdings nicht die Matching-Rights-Klausel in seinem Oktagon-Vertrag auf dem Schirm.
Eine solche Klausel ist nicht untypisch in MMA-Verträgen. Sie erlaubt der Organisation, eine gewisse Zeit nach Ablauf des Vertrags handlungsfähig zu bleiben, um dem Kämpfer ein neues Vertragsangebot zu machen. Bekommt der Kämpfer ein externes Kampfangebot, so wie Dulatov von FNC, hat die Organisation dadurch die Möglichkeit, gleichzuziehen. Dabei geht es vor allem um die Gage. Verzichtet der Kämpfer auf das Angebot der Organisation, bei der er zuvor war, kann diese ihn für eine gewisse Zeit (mehrere Monate) sperren lassen. Die Klausel ist vor allem ein Hebel, um Talente und Stars zu halten. Kämpfer können sie aber auch für ihre Verhandlungsposition nutzen und mehr Geld herausschlagen.
Bei Dulatov zog Oktagon mit dem FNC-Angebot gleich und verbesserte nach ntv-Informationen sogar noch einige Modalitäten. Für den 25-Jährigen ist das Angebot allerdings ein zweischneidiges Schwert: Den Kampf bei FNC hätte er ohnehin nicht mehr machen können: Oktagon hätte ihn gesperrt, sofern er sich gegen das Angebot entschieden hätte. Die Option FNC gab es somit faktisch nicht mehr. Und wenn der gläubige Moslem an seinem Plan festhalten will, vor dem Mitte Februar beginnenden Ramadan zu kämpfen, bleibt ihm eigentlich nur Oktagon. Nun wird Dulatov weiter bei Oktagon aktiv sein, bekommt sogar den Kampf in seiner Heimatstadt Düsseldorf am 17. Januar.
Es gibt aber noch andere verrückte Klauseln in MMA-Verträgen, die den Werdegang eines Kämpfers beeinflussen und regeln, wie lange ein Kämpfer an eine Organisation gebunden ist. Mit der Champion-Klausel werden MMA-Profis bei Titelgewinnen verpflichtet, ihren Titel zu verteidigen, auch wenn ihr Vertrag schon offiziell ausgelaufen ist. Eine weitere vertragliche Vereinbarung, die in diese Richtung geht, ist die Ruhestandsklausel. Damit soll verhindert werden, dass ein Kämpfer seine Karriere beendet, nur um wenig später ein Comeback bei einer anderen Organisation zu starten. Durch diese Klausel wird ein Vertrag nur ruhend gestellt, um im Fall der Fälle wieder aktiviert werden zu können.